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wirgemeinsam.net - Was davon zu halten ist.



Kollektivismus zeichnet sich durch ausgesprochene Beratungs- und Erfahrungsresistenz aus. Vielleicht auch weil es viel einfacher ist Dummheiten optisch und emotional ansprechend in die Welt zu setzen - als Diese argumentativ als Solche zu entlarven.

Ausgerechnet in einer Zeit in der viele Menschen das Scheitern staatlicher Strukturen als realistische Bedrohung empfinden - werden hier von "Weltverbesserern (in eigener Sache)" Lösungen angeboten die lediglich große kollektivistische Strukturen durch Kleine ersetzt oder um Solche ergänzen.

Dabei wird ignoriert daß jene Kleinstrukturen, welche sich im Zusammenhang mit sozialer Absicherung als tragfähig erwiesen haben, entweder auf familiären Bindungen oder Klientelverhältnissen beruhen. Dabei handelt es sich jedoch um persistierende Abhängigkeitsverhältnisse und eben nicht um einen "unverbindliche Absichtserklärungen" bei dem der in Vorleistung tretende lediglich darauf hoffen darf daß seine Bedürfnisse im Gegenzug vielleicht auch mal erfüllt werden.

Altersabsicherung ist ein entscheidendes Anliegen welches das Kunststück vollbringen muß Jemanden angemessen und würdig zu versorgen der nicht mehr in der Lage ist dies selbst zu tun. Ein Anliegen das den Älteren auf keinen Fall zu einem Empfänger von Wohltätigkeiten degradieren darf so wie es ein auf Vorleistung beruhendes "Goodwill-System" wie das hier von "wirgemeinsam.net" vorliegende propagiert.

In Anmbetracht eines realexistierenden "Generationenvertrags" mit all seinen Risiken wäre eigentlich eine "Diversivizierung" der privaten Absicherung dahingehend angezeigt daß der Ältere sich kaufkraftgesicherte Rücklagen bilden kann aus welchen er im Bedarfsfall erforderliche oder erwünschte Leistungen bestreiten kann.

Letzteres kann ein auf "Zeitguthaben" basierendes System nicht leisten weil kein konkreter Leistungsanspruch gegenüber einer natürlichen oder juristischen Person erlangt wird. Zudem fehlt dem "Zeitguthaben" die Funktion eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Letzteres bedeutet daß Niemand sich "Zeitguthaben" verschaffen muß um damit bestehende oder geplante Verbindlichkeiten bedienen zu können.

Damit fehlt aus ökomischer Sicht der Anreiz sich "im Umlauf befindliche Zeitgutscheine" durch Erbringung von Leistung zu verschaffen. Es ist außerdem für die Gruppe der Leistungserbringer attraktiver Leistungen für Menschen zu erbringen die im direkten Austausch eine konkrete Gegenleistung erbringen. Der Alte wird also seiner (Vor-)Leistung zum Trotz zu einem "Almosenempfänger" degradiert der sich mit den "Leistungsstunden" begnügen muß die sonst Niemand haben will.

Ein solches System ist hochgradig parasitär angelegt und kann allenfalls auf einer Zeitebene und ohne Guthaben auf der Basis "Zug um Zug" funktionieren. Allerdings bedarf es hierfür nicht der hier propagierten bürokratischen Strukturen. Eine Hand wäscht die Andere auch ohne Vereinsmeierei.


Ein besonderes Vergnügen bereitet mir persönlich natürlich die haltlose Behauptung ein derartiges System würde einen gewissen "Inflationsschutz" bieten. In der Tat ist eine Stunde immer eine Stunde. So wie ein Gramm ein Gramm und ein Kilometer ein Kilometer ist. Welch erhellende Einsicht.

Wer Inflationsschutz sagt meint eigentlich Kaufkrafterhalt. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man den Begriff "Stunde" dahingehend konkretisieren daß man darunter die Leistung versteht die Jemand in dieser Zeitspanne erbringt. Und da haben wir auch schon den Punkt daß Menschen sehr unterschiedlich sind. Was Wer in einer Stunde leistet hängt nicht nur davon ab was er gelernt hat und kann - sondern auch davon wozu er Lust hat oder bereit ist. Wir haben es also mit sehr verschiedartiger Leistung pro Stunde zu tun.

Diese Feststellung im Zusammenhang mit dem Gedanken des Kaufkrafterhalts führt geradewegs zum Greshamschen Gesetz welches besagt daß bei gleicher Nominale "schlechtes Geld" das "gute Geld" aus dem Markt verdrängt.
Die Nominale wäre hier besagte "Stunde". "Gutes Geld" im Sinne der "Währung Stunde" wäre nun z.B. die Arbeitsstunde eines erfahrenen und fleissigen Handwerkers. "Schlechtes Geld" im Sinne der "Währung Stunde" wäre zum Beispiel Jemand der Leistungen als "Regenmacher" oder "Gesundbeter" anbietet.
Entsprechend dem Greshamschen Gesetz ist zu erwarten daß "Handwerkerstunden" wegen geringem Angebot und großer Nachfrage de facto aus dem Markt verschwinden während das verbleibende Angebot aus minderwertigen Leistungen besteht.
Mit Blick auf die Ausgangsmotivation "Kaufkrafterhalt" hängt also für den in Vorleistung Tretenden Alles vom Wert seiner erbrachten Leistung ab.
Ein "Regenmacher" kann hier in der Tat so etwas wie "Kaufkrafterhalt" erreichen. Für den Vorleister einer werthaltigen Leistung bleibt indes ein erhebliches Risiko auf faktischen Totalverlust bestehen.
Wobei hier noch nicht einmal berücksichtigt ist daß das Risiko des "Totalverlusts" für den Älteren schon deshalb größer ist weil für potenzielle Erbringer hochwertiger Leistungen viel dafür spricht unmittelbar gegen benötigte hochwertige Leistungen zu tauschen. Der Elektriker wird also seine freien Stunden eher einem Fliesenleger zukommen lassen der ihm das Bad macht - als irgendeinem "blöden Rentner" der mal vor vielen Jahren irgendeinem Jugendlichen per Nachhilfe den Weg zu Abi und Medizinstudium geebnet hat.

Fazit: "wirgemeinsam.net" übersieht in seinem Konzept Erscheinungen die aus den Wirtschaftswissenschaften bereits seit über 300(!) Jahren dokumentiert und beschrieben sind. Dazu kommt noch ein wirres Sammelsurium aus der heute regionalen (ehedem nationalen) und sozialistischen Klamottenkiste das lediglich dem aktuellen Zeitgeschmack "wassermelonig" angepaßt wurde (eine grüne Schale um den roten Matsch und seine braunen Kerne). Und zuguterletzt das Ganze noch garniert mit den typischen Ängsten der Gegenwart.
An die Stelle "der Partei" und deren "Führer" tritt heute ein "gemeinnütziger" Verein mit seinen (selbsternannten) "Experten". Da es keinen echten Nutzen für Alle gibt - wird man wohl davon ausgehen dürfen daß hier primär Jene profitieren wollen die das System als "Apparatschiks" und " "ehren"amtliche Aufwandsentschädigungsabgreifer kontrollieren.

"wirgemeinsam.net" dürfte also im Prinzip nur eine Geschäftsidee sein bei der es darum geht eine nett klingende Sache zu promoten. Geld verdient wird da an Honoraren für Vorträge, dem Verkauf von Büchern sowie dem Druck und dem Verkauf von Infomaterial (Bei den Rechtsradikalen läuft es im Übrigen ja genauso!). Ganz Geschickte sorgen dann noch dafür daß Freunde und Bekannte bei der Auftragsvergabe durch den Verein besonders bedacht werden. Darüber hinaus locken natürlich auch Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Vorstände. Und wenn alles sehr gut läuft - und sich genügend "nützliche Idioten" und aus dem Vollen schöpfende Sponsoren finden - ist ja vielleicht auch mal Raum für bezahlte Funktionäre und Angestellte.
Und der abgeklärte Beobachter kann nur noch erstaunt ausrufen: Ah! - Sozial!



    Nachgehakt geschrieben am 2.10.2014
      Nach langer Zeit habe ich mal wieder den Internetauftritt der Weltverbesserer besucht. Und was wenig überrascht: Ich finde meine Einschätzung bestätigt. Auf der Plattform finden sich zwar reichlich Nachfragen nach allen möglichen - meist weniger angenehmen oder einschlägige Sachkenntnisse voraussetzenden - Hilfeleistungen. Aber keine Angebote.

      Verständlich! Sich mal, ohne dafür einen angemessenen Stundenlohn bezahlen zu müssen, die Obstbäume beschneiden oder den Garten umgraben lassen ist natürlich eine angenehme Sache. Ebenso wie eine de facto unbezahlte Kinderbetreuung während man sich selbst lieber ins Nachtleben stürzt.
      Das Dumme ist nur dass wohl Niemand so viel Freude am Bäume beschneiden, Beete umgraben oder fremde Kinder betreuen hat dass er dies im Austausch gegen einen virtuellen Händedruck in seiner Freizeit für Andere machen möchte.
      Besonders witzig in diesem Zusammenhang ist freilich dass nicht einmal die Nachfrager besagter Dienstleistungen selbst irgendwelche Angebote auf der Plattform machen. Nicht einmal als "Regenmacher" oder "Gesundbeter".
      Selbst letztgenannten Leistungen ähnliche Angebote sind aunahmslos als kommerziell gekennzeichnet - stehen also offensichtlich nicht per se möglichen Bedürftigen für einen virtuellen Händedruck zur Verfügung. In unserer Überluss-Dienstleistungsgesellschaft hat eben selbst esoterisches Gefasel seinen Preis der in Euro und Cent und diese Verballeistungen erbringenden kein Interesse an "Manana".
      Willkommen in der Realität!