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Wachstumkritik am Kapitalismus berechtigt?

Eine oft gehörte Kritik am Kapitalismus richtet sich gegen dessen letztendlich selbstzerstörerisches Wachstum. Der Verbrauch von Ressourcen, Energie und Umwelt wird mit Hilfe der Wachstumskritik gewissermaßen als problematische Folge des Kapitalismus definiert.

Oberflächlich betrachtet scheint diese Kritik berechtigt. Wobei jedoch eine entscheidende Prämisse nicht hinterfragt wird: Nämlich die Frage ob es sich bei dem verursachenden System um den Kapitalismus gehandelt hat.
An dieser Frage scheiterten im Grunde bereits Marx und Engels, welche unterstellten daß der Staat lediglich ein Ausführungsgehilfe des Kapitals sei.
Dieser Gedanke kollidiert in meinen Augen bereits daran daß feudale Strukturen bereits existierten als noch nicht einmal das Geld als Grundvoraussetzung für Kapitalismus erfunden war.

Damit liegt es in meinen Augen näher anzunehmen daß Staaten die Kräfte des Kapitalismus in einer Weise für sich nutzbar gemacht haben die vergleichbar wäre mit der Nutzbarmachung des Windes durch einen Segler.
Oder mit den Worten Milton Friedmans: Es gibt keine Freiheit ohne Kapitalismus - aber es gibt Kapitalismus ohne Freiheit.

Kolonialreiche wie das Britische oder der Faschismus in Deutschland sind in meinen Augen nicht Beispiele für die rücksichtslose Zerstörungskraft des freien Marktes, sondern lediglich Beispielhaft für die Rücksichtslosigkeit von politischem Machtstreben.
Denn von einer kapitalistischen Ordnung kann weder im Falle des Beispiels Großbritannien noch weniger im Falle des III.Reichs eine Rede sein.
Der Kapitalismus bzw. der einzelne Kapitalist ist in beiden Fällen zwar häufig als Profiteur zur Stelle - ist aber in vergleichbarem Umfang auch auf der Opferseite auszumachen. Der Kapitalist ist also mal Nutznießer mal Opfer willkürlich handelnder Herrscher welche selbst in erster Linie politischen Machtgewinn als Ziel verfolgen.
Der Kapitalismus oder Kapitalisten spielten aus der Sicht der Politik allenfalls eine Rolle als nützliches Werkzeug.

Der Zusammenhang wird vielleicht am deutlichsten wenn man die "industrielle Menschenvernichtung" im III.Reich betrachtet. Natürlich konnte das III.Reich unter Zuhilfenahme kapitalistischer Verhaltensmuster auf die Mitarbeit des (verbliebenen) "freien" Marktes bauen. Aber dies ändert nichts an der Tatsache daß blinde Zerstörungswut - Vandalismus keine Tätigkeit ist mit der sich - außer diese Tätigkeit wird staatlich subventioniert - Güter erlangen oder Geld verdienen läßt.
Vandalismus ist vielmehr eine politische, sich Gewalt als Mittel bedienende kriegerische Erscheinung.

Auch mit Blick auf unsere heutigen globalen Probleme sollte man die Frage stellen ob der Kapitalismus in diesem Zusammenhang als Ursache oder Motor auftritt - oder ebenfalls nur als Werkzeug.
Hierzu lohnt es sich das Wachstum und dessen Ursachen näher zu betrachten. Der Gedanken der Wirtschaftlichkeit beeinhaltet immer den Begriff Grenznutzen. Also eine Grenze an der weiteres Wachstum keinen zusätzlichen Vorteil mehr erbringt. Der Alltag ist sogar der gestalt von diesem Grenznutzen geprägt daß wir im Normalfall noch nicht einmal dessen Grenzen ausreizen. Wenn die Wirtschaft im Kleinen sich so verhält - warum sollte es die Wirtschaft im Großen nicht auch tun?
Die Antwort liefert auch hier die Politik - also ein System das einen absoluten, also unbegrenzten Machtanspruch hegt. Und auch in diesem Zusammenhang begegnet uns die Wirtschaft als Profiteur und Opfer.
Das Wirtschaftswachstum der zurückliegenden Decaden ist zu einem erheblichen Teil der Schaffung von Liquidität geschuldet. Liquidität welche nicht die Wirtschaft selbst schöpft, sondern Staaten mit innen- wie außenpolitischen machtpolitischen Zielen. Es geht darum der eigenen Bevölkerung nicht selbst erarbeiteten (Zustimmung provozierenden) Wohlstand zu verschaffen , Es geht um (Gehorsam provozierende) politische Macht auf Weltmärkten die eben gerade von einem Grenznutzen nichts wisen will.

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang jetzt, wo die Macht der Politik an ihre Grenze stößt. Dem Punkt an dem der kapitalistische Profiteur keinen Vorteil mehr an seiner Beteiligung am Machtspiel erkennen kann und die Teilnahme zunehmend verweigert.
In diesem Moment holt die Politik zu einem gewaltsamen Schlag gegen den freien Markt aus - fordert ein Verhalten des Marktes entgegen jener Voraussetzungen welche die Politik geschaffen hat.
Sieht etwa so die Herrschaft des Kapitals aus? Ich denke nicht.