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Regionalgeld - Regiogeld - Was es ist und wem es nutzt. (Donnerstag, 15. Februar 2007)

Die Idee von Regio-Geld klingt plausibel: Die Kaufkraft der Bürger soll in der Region bleiben, dort zirkulieren und damit Wohlstand und Arbeitsplätze in der betreffenden Region halten. Zudem soll das Gewerbe durch kostenlose Kredite gestärkt und der Abfluss von Kaufkraft über Zinsen in das Kreditwesen eingeschränkt werden.

Manches Regio-Geld geht sogar noch einen Schritt weiter und bietet dem Konsumenten noch einen zusätzlichen Anreiz. Bei regelmäßigem Umtausch von Euro in Regionalgeld per Abo lassen sich sogar einige Prozent beim Einkauf sparen: Für einen Euro vom Girokonto erhält der Konsument etwas mehr als einen Regionaleuro.

Im Verhältnis zu diesen Vorteilen erscheinen die Nachteile auf den ersten Blick gering und zudem vermeidbar: Daß bei Regiogeld nach meist zwei Monaten eine Wertmarke über meist 1% des Nominalwertes der jeweiligen Note geklebt werden muß würde lediglich Personen treffen, die ihren Spargroschen in Regionalgeld anlegen. Letzteres ist jedoch von den Initiatoren des Regio-Geldes auch ausdrücklich nicht gewünscht. Der Taler muß und soll wandern.
Aus Sicht des Konsumenten auf den ersten Blick also eine feine Sache. Das Geld das man ohnehin in der Region auszugeben gedenkt wird mit Gewinn in Regionalgeld gewechselt - Einkäufe bei Neckermann und ebay weiterhin in Euro getätigt.
Man tut der Region etwas Gutes und spart sogar Geld dabei.

Aber moment mal? Das klingt doch zu schön um wahr zu sein! Wer bezahlt eigentlich den Organisationsaufwand und den Druck der Regio-Noten?
Den Organisationsaufwand erledigen meist ehrenamtliche Helfer - das hört sich für den unbedarften Zuhörer schon wieder sehr gut an. Prima! Da gibt es Menschen die etwas für die Gemeinschaft tun - So etwas gehört unterstützt. Dabei wird jedoch übersehen daß üblicher Weise ehrenamtlich Tätige eine Aufwandsentschädigung erhalten. Auch Ehrenamt kostet - und wenn es nur der Ersatz des Telephongeldes und der im Auftrag des Vereins gefahrenen Kilometer ist. Üblicher weise wird auch ein kleiner Stundensatz von einigen Euro bezahlt.
Der Druck der Regiogeldnoten kostet natürlich ebenfalls Geld, zumal zur Vermeidung von Mißbrauch recht hohen Sicherheitstandards zu genügen ist.


Wo kommt das Geld für diese Aufwendungen eigentlich her?
Zunächst ist natürlich klar, daß die Regionalgeldbetreiber die Euro der Konsumenten erhalten haben. Natürlich können sie diese Euro nicht einfach behalten und damit ihre Kosten decken.

Diese Euro sind ja nur so lange in ihren Händen wie die entsprechende Regiogeldmenge nicht zurückgetauscht wurde. Diese Euro sind gewissermassen ein Darlehen in ungefährer Höhe eines knappen Monatsumsatzes.
Mit diesem Darlehen könnten die Regionalgeldbetreiber auf der Bank Zinsen bekommen oder an der Börse mit Aktien oder Warentermingeschäften operieren. Manche Regionalgeldbetreiber schweigen sich zu diesem Thema aus - andere hinterlegen die Euro der Kunden sogar zinslos auf einem Festgeldkonto bei einer Bank. Ich greife nun in dubio pro reo die letztere Variante auf und stelle fest: Hier könnte zwar in Abhängikeit des einzugehenden Risikos Geld verdient werden - hier wird jedoch nicht zwingend das Geld verdient.

Die Suche geht also weiter. Der dritte Partner im Bunde sind die sogenannten Akzeptanzstellen, bei denen der Konsument sein Regio-Geld im Verhältnis 1:1 gegen in Euro ausgezeichnete Waren eintauschen kann. Geschäftsleute leben natürlich davon daß sie Waren teuerer an den Kunden weitergeben als sie diese selbst einkaufen. Hier wird und muß natürlich Geld verdient werden.

Aber warum nimmt ein Händler oder Handwerker es auf sich neben normalen Euros auch Regionalgeld zu akzeptieren?
Er könnte es natürlich aus Idealismus tun - Schliesslich lebt ja auch er in und zu einem gewissen Teil bestimmt auch von der Region. In dubio pro reo: Er tut es also aus pruem Idealismus. Er akzeptiert das Regiogeld und bringt es zurück zur Umtausschtelle wo er es 1:1 gegen Euro eintauscht. Euro, in der er seine Buchführung ablegt, Euro in denen er seine Löhne, Steuern, Wareneinkäufe bestreiten muß.

Aber moment mal! Haben nicht die Kunden für ihr Regionalgeld weniger Geld bezahlt als nun der Händler bekommt? Hier klafft eine nicht unerhebliche Lücke von monatlich ein paar Prozent, wobei die Betriebskosten des Regionalgeldbetreibers noch immer unberücksichtigt sind.

Also heißt es noch genauer hinzusehen: Wenn Privatpersonen Regionalgeld zurücktauschen zahlen sie einen Aufschlag von einigen Prozent, was natürlich einleuchten muss, weil der Verbraucher für das Regiogeld zuvor auch weniger bezahlt hat. Einen tatsächlichen Verlust würden hier nur Privatpersonen realisieren, die Regiogeld als Bezahlung von anderen Privatleuten angenommen haben und nicht verkonsumieren wollen oder können.

Damit wären wir bei dem entscheidenden Punkt, der bei praktisch allen Regionalgeldanbietern stark verklausuliert bis gar nicht öffentlich angesprochen wird: Den Rücktauschkonditionen für Gewerbetreibende. Schließlich handelt es sich beim Gewerbetreibenden um den einzigen Partner im Regionalgeldkreislauf, der einen Gewinn erwirtschaftet. Ja aber diesen Gewinn hätte er doch auch in Euro!? Warum sollte er sich denn zusätzlich zum Mehraufwand für das zusätzliche Hantieren von Regionalgeld auch noch Kosten übernehmen?

Die Antwort liefern wieder die Regionalgeldanbieter: Regionalgeld erhöht die Umlaufgeschwindigkeit von Geld und damit die Umsätze.
Ach so - ja klar! Ist doch prima! Die Regionalgeldbetreiber haben also vollkommen Recht!
Ach so klar und prima erscheint dieses Argument spätestens dann nicht mehr, sobald man seinen Blick auf andere Anbieter einer ähnlichen Dienstleistung, die Kreditkartenunternehmen lenkt. Auch hier handelt es sich um ein Instrument bei dem der Konsument an Stelle von Bargeld (oder einer EC-Karte) mit der Garantie eines Dritten den Kaupreis zu bezahlen einkaufen geht. Auch hier bezahlt der Kunde auf den ersten Blick nicht mehr für seinen Einkauf. Die Kreditkarte selbst ist heute meist kostenlos bei jedem Girokonto dabei. Auf der Rechnung im Laden steht der ausgezeichnete Preis. Als kleines Zuckerl winkt sogar der Vorteil dass das Kreditkartenunternehmen die getätigten Ausgaben erst am Monatsende vom Girokonto abbucht.
Uns ist natürlich klar dass Master- AmericanExpress- und Visa-Card keine Unterorganisationen der Caritas sind, sondern Finanzunternehmen die Geld verdienen wollen und wissen was sie tun.
Wir haben vielleicht auch schon einmal gehört dass die Ladenbetreiber an die Kreditunternehmen - gestaffelt nach Branche und Umsatz - eine Umsatzbeteiligung bezahlen.
Warum sie dies tun obwohl die Gerwerbetreibenden von ihren Kunden auch genauso gut eine Bezahlung in Bargeld (oder EC-Card) verlangen könnten? Dienst am Verbraucher und Nächstenliebe? Natürlich nicht. Es geht auch bei der Kreditkarte nur darum daß Keditkartenumsätze helfen Umsatz und damit Gewinn zu steigern.

Wie das? Ganz einfach: Menschen sind konditionierte Wesen. Eine 100-Euro-Banknote ist in ihren Augen Geld und etwas Besonderes. Ein bunter Gutschein oder eine Plastikkarte genießt in unseren Augen einen geringeren Stellenwert - obwohl deren Verwendung für unser Vermögen exakt die gleiche Konsequenz hat wie die Verwendung von Bargeld.
Das heißt der Kunde geht großzügiger bzw. verschwenderischer damit um. Er neigt eher zu Spontankäufen, mehr als eigentlich benötigt zu kaufen, mehr als eigentlich nötig zu bezahlen.
Von diesem Mehr an Umsatz profitiert der Gewerbetreibende in Form von Gewinn. Gewinn, den er natürlich gerne bereit ist mit Demjenigen zu teilen, der ihm diesen Gewinn verschafft hat. Ob Derjenige nun ein Regionalgeldbetreiber oder eine Kreditkartenfirma oder ebay heißt, das ist dem Gewerbetreibenden vollkommen gleichgültig. Geld stinkt nicht.

Beläßt es der Gewerbetreibende dabei die ihm entstehenden Kosten für Regionalgeld oder Kreditkarte jenen Umsätzen zuzurechnen die er ohne Regionalgeld oder Kreditkarte gar nicht realisiert hätte, bleibt es lediglich dabei daß der Konsument mehr konsumiert und ausgegeben hat.

Nutzt der Kunde indes Regiogeld oder Kreditkarte zum Bezahlen bei Umsätzen die er ansonsten in Euro getätigt hätte stellt sich für den Gewerbetreibenden folgendes Problem: Er hat plötzlich keinen zusätzlichen Gewinn den er großzügig teilen könnte, sondern zusätzliche Kosten, der er, wenn er sie nicht selbst tragen möchte an Jemanden weitergeben muss.

Dieser Jemand ist natürlich der Kunde selbst, der die Kosten in kleinen Beträgen als Preisaufschlag auf den von ihm gekauften Waren wiederfindet.

Damit ist es der Kunde bzw. die Gemeinschaft der Konsumenten welche sowohl die Gewinne der Kreditkartenunternehmen, wie auch die Druck- und Organisationskosten von Regiogeld bezahlen.
Im Falle des Regiogeldes liegt der Vorteil (noch) bei den Gewerbetreibenden, bei Druckereien aber vor allem bei jenen welche für ihr Tun persönliche Befriedigung für´s Wichtig tu´n und/oder Aufwandsentschädigungen für das von ihnen ausgefüllte Ehrenamt erfahren.

Wenn Sie der Meinung sind, daß ihrer Region mit der Herstellung von bedrucktem Papier und die Schaffung eines bürokratischen Distributionsapparat geholfen ist - dann sollten Sie das ihnen angebotene Regionalgeld ergreifen und finanzieren!
Wer indes sich und seiner Region etwas gutes tun möchte - der sollte möglichst in seiner Region einkaufen und Bar oder mit EC-Karte bezahlenl und ggf. sinnvolle Projekte durch persönlichen ehrenamtlichen Einsatz oder/und gezielte Geldspenden unterstützen. Beim Einkaufen sollte er es jedoch vermeiden über den Kaufpreis besagte kostenfressende Bürokratie mit zu finanzieren. Vergleichen Sie Angebote und kaufen sie in Geschäften die Regio-Geld annehmen nur dann, wenn diese auch preiswerter als ihre Mitbewerber sind.

Sie leben in Ihrer Region - Was gut ist für Ihren Geldbeutel - das ist auch gut für Ihre Region!