![]() » Wegbeschreibung |
Geschichte einer Ruine Das Bild zeigt die mittlerweile abgerissenen Reste einer ehemaligen Werkstatt. Bereits ein Blick in die Ruine machte deutlich daß wir es hier nicht mit den Überresten eines üblichen Tischlerschuppen oder einer Hofschmiede zu tun hatten. Hier gab es z.B. ein avensiertes Transmissionssystem, ein Abzugsgebläse sowie einen sehr leistungsfähigen Stromanschluß. Antworten auf unsere Frage lieferte die Heimatzeitung Nåsvargen: Bei unserem Hof befand sich also eine Manufaktur in der Holzstiele aus Birkenholz für die Werkzeuge der Erzgruben in Ludvika und Grägnesberg hergestellt wurden. Die Frage wie ein derart spezialisierter Betrieb fernab der Grubenstandorte und ausgerechnet hier entstehen konnte läßt das Herz eines jeden Kulturgeographen höher schlagen. Die Antwort ergibt sich schlüssig aus der Geschichte des Industriestandortes Lindesnäs in Verbindung mit der speziellen Geschichte unseres Hofes bzw. dessen Bewohner. Die Errichtung unseres Hofes im Jahr 1868 fällt in der Blütezeit des Eisenwerks von Lindesnäs. Der Bauherr war Schmied in der Eisenhütte. Die vollkommend überraschende Stillegung des Eisenwerks im Jahre 1895 stellte einen großen Einschnitt für den Ort dar. Die meisten Lindesnäs-Schmiede folgten damals der Produktion nach Domnarvet (Heute SSAB in Borlänge). Ein Schritt der für den Schmied Jon-Erik Larsson wohl gerade mit Blick auf sein erst kürzlich fertiggestelltes Wohneigentum nicht in Betracht kam. Auf der Suche nach einem alternativen Einkommen besann er sich offensichtlich seiner professionellen Kenntnisse und Kontakte und begann mit der Produktion von Schäften für Werkzeugen wie sie in der Erzgewinnung und Eisenverarbeitung benötigt werden. Ein Handwerk das nach seinem Tod von seinem Sohn Georg weitergeführt wurde, der es wiederum antscheinend bis zu seinem Tod 1950 fortführte. Hier kann man "en miniature" nachvollziehen wie Strukturwandel an Vergangenheit anknüpft und welche Bedeutung ganz pesönliche Umstände für wirtschaftliche Entscheidungen haben. Mit Blick auf den Hof kann zudem festgehalten werden daß die unerwartet eingetretene Arbeislosigkeit keinen sozialen Niedergang mit sich gebracht hat. Was hier konkret der letzte repräsentative Umbau des Hofes belegt, der zweifelsfrei in die Zeit nach 1895 fällt. Der erzwungene Übergang Jon-Erik Larssons von einer nicht-selbständigen Arbeit in die Selbständigkeit war offensichtlich sogar einem Wohlstandsgewinn verbunden. Auf der anderen Seite unterstreicht diese Entwicklung den in Lindesnäs zu beobachtenden "Rothenburg-Effekt" welcher Strukturen von um 1900 bis in die Gegenwart bewahrt hat. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang daß auch die im 19.Jhd erfolgte Industrialisierung ihrerseits eine bewahrende Wirkung auf die vorgefundenen landwirtschaftlichen Strukturen ausübte. Das florierende Eisenwerk als Arbeitgeber nahm offensichtlich Modernisierungsdruck von der ortsansässigen Landwirtschaft in dem es die Bevölkerung mit anderen Einkommensmöglichkeiten versorgte. Hier sind folglich landwirtschaftliche Strukturen und Bauwerke erhalten die anderswo der frühen rationalisierung/technisierung in der Landwirtschaft zum Opfer gefallen sind. Zugleich fehlen hier aber auch jende räumprägenden Entwicklungen welche in den meisten anderen Industriestandorten vor allem nach 1945 beobachtet werden können. Lindesnäs ist somit ein Ort in dem wir die bauliche Kultur von unterschiedlichen Epochen in überaus gutem Erhaltungszustand bewahrt vorfinden. Besonders bemerkenswert ist zudem daß Lindesnäs sogar die überaus moderne Funktion als "Freizeitstandort" sehr früh aufgreifen konnte und sich dabei wiederum erfolgreich die überkommenden Strukturen bewahrend einbinden konnte. Lindesnäs steht somit nicht in der Reihe der Orte die bedingt durch Strukturwandel verfallen oder überprägt sind - sondern für eine ausgesprochen modern erscheinende nachhaltige und bewahrende Nutzung des Vorhandenen. Hier ist damit auch eine lebendige "Museumslandschaft" entstanden die sich aus sich selbst heraus erhält. ![]() ![]() |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | ||||