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Obama - der Weltpräsident

Amerika hat gewählt. Und Amerika ist wieder jünger geworden. "Ee pluribus unum" ist wieder ganz gegenwärtig. Vorbei die Zeit in der das Ausland Amerika als eine Nation losgelöst von ihren globalen Wurzeln betrachtete. Eine Nation unter deren weissen, angelsächsische und protestantischen Leitkultur die Sprösse anderer Herkunft gezwungen wurden oder sich ihr stillschweigend beugten.
Mit diesem Präsidenten ist die Amerikanische Verfassung erstmals tatsächlich das Papier Wert auf dem sie geschrieben steht.

Die Welt und auch Amerika haben in der Person von Obama die Gelegenheit wieder zueinander zu finden - und das weit über die historisch eher unbedeutende Zeitspanne der zurückliegenden Jahre der Präsidentschaft Bush jr. hinaus.

Obama ist ein Präsident wie er nicht besser hätte einer Retorte entspringen können. Er ist kein einfaches Gemisch - sondern eher ein neues Element.
Er ist Schwarz - aber nicht Nachfahre jener Menschen die von weissen Amerikanern als Sklaven importiert wurden. Also kein Schwarzer dem gegenüber sich der Weisse Amerikaner ständig im Zweifel bleiben würde ob er als Verkörperung einer späten Wiedergutmachung früher begangenem Unrechts gewählt wurde - oder als Sendbote jener Menschen die begangenes Unrecht aufarbeiten möchten.
Den Schwarzen Amerikanern dürfte es vor allem um die Symbolkraft der Hautfarbe gegangen sein. Auch hier bietet Obama eine Befreiung aus der eigenen Ambivalenz zwischen "Onkel Tom" und "Black-Power". Alleine in diesem Aspekt steckt ein ungemein integrierendes Moment im Sinne einer Aussöhnung zwischen Schwarz und Weiss. Weit über die Grenzen der USA hinaus.
Daß Obama in seinem familiären Hintergrund auch einen weiss-amerikanischen Faden hat und obendrein mit den Philippinen sowohl eine hispanische als auch eine muslimische Komponente einbrachte dürfte ebenfalls der atemberaubenden persönlichen Nähe zum realen Bild eines virtuellen US-Bürgers beigetragen haben.

Und allem schwebt zudem der amerikanische Traum. "Yes we can" - Selbst ein Sproß der ersten Einwanderergeneration kann es nicht nur zu Bildung sondern auch zum Präsidenten schaffen. Ungeachtet der Hautfarbe - ungeachtet des familiären Hintergrundes.

Und dieser Hintergrund macht Obama wiederum zu einem Präsidenten der ganzen Welt. Wir Europäer notieren befriedigt das Ende der protestantisch-anglo-sächsischen Dominanz. Afrika erkennt in den USA plötzlich wieder eine Nation die nicht nur aus weisshäutigen Imperialisten und Kolonialisten besteht. Asien und Lateinamerika als die Herkunftsregionen der heutigen Einwanderer sehen in den USA nun plötzlich ein Land in dem der Migrant neben materiellem Wohlstand auch politische Anerkennung erreichen kann.

Das Modell Amerika rückt mit Obama in eine Position welche die UNO in die Bedeutungslosigkeit rücken kann. Amerika hat es fast beiläufig geschafft die "Pax Americana" zu einem Modell zu machen das nicht nur zähneknischend akzeptiert wird - sondern die von den Befriedeten auch geschätzt wird. Sogar obwohl dieser "Pax Americana" eine demokratische Legitimierung durch die Welt fehlt.
Es spricht für die in den USA liegende Kraft daß diese Stellung just in einer Zeit erreicht wird, in der das "angelsächsische Wirtschaftsmodell USA" in seiner auf alle Nationen strahlenden Vorbildswirkung verblaßt.

John F. Kennedy sagte: "All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‚Ish bin ein Bearleener‘!"
Heute sage ich: "All free men, wherever they may live, are citizens of the United States, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‚I am an American‘!" - womit sich der Faden über John F. Kennedy auch noch zum Alten und dem Neuen Rom ziehen läßt.


Hörenswert: BR-Podcast: Der amerikanische Freund - Unser dramatisches Verhältnis zu den USA - 08.11.2008

    Vereidigung des 44.US-Präsidenten:  (20.01.2009)
    Gerade im Stream von SVT die Amtseinführung gesehen. Im schwedischen Fernsehen konnte man sich zum Glück einen Live-Dolmetscher verkneifen und belies es lediglich dabei in Pausen erklärende Kommentare abzugeben.
    Die Zeremonie selbst wirkte stimmig und kam wie die Antrittsrede mit unerwartet wenig Pathos aus. Barack Hussein Obama machte - von einem kleinen Patzer beim Eid einmal abgesehen - einen sehr angenehmen Eindruck. Gefallen hat vor allem daß er die ohnehin gigantische Erwartung in seine Person nicht weiter mit Phrasen angeheizt hat. Seine Rede bediente natürlich die erwarteten Aspekte wie Patriotismus und den Führungsanspruch der USA in einer freien Welt, aber die Rede war dennoch geeignet die Amerikaner vorsichtig darauf einzustimmen daß es ein "Weiter wie gehabt" nicht geben darf. Nun muß die Realpolitik beweisen daß dieser Anspruch die US-Gesellschaft nicht überfordert. Bereits Morgen wird der Amerikaner wieder in erster Linie an seinen heutigen Geldbeutel denken, und nicht an mögliche Zukunftsperspektiven.