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Gedanken zur Finanzkrise Menschen reagieren außerordentlich empfindlich auf das Nichtvorhandensein vorhanden Geglaubten. Ein nicht vorhandener Stuhl ist beim Hinsetzen nur dann ein Problem wenn man sich im festen Vertrauen darauf setzt daß da ein Stuhl ist. Im Falle der gegenwärtigen Finanzkrise geht es ebenfalls um die Problematik des Nichtvorhandensein vorhanden Geglaubten. Konkret um Geld das eigentlich da sein sollte wo es de facto aber nicht ist. Ursächlich ist freilich kein banaler Schwindel. Ursächlich ist vielmehr die Tatsache daß wir aus Erfahrung dazu neigen - stark und zudem unzulässig vereinfachend - Marktwert mit Geld gleichzusetzen. Ganz gleich ob es nun um Immobilien, Aktiendepots, Edelmetalle oder eine Briefmarkensammlung geht. Das Gleichsetzen selbst objektiv ermittelter Werte mit Geld ist unzulässig. Ein Haus, eine Aktie oder eine Unze Gold ist nun mal ein Haus, eine Aktie oder eine Unze Gold und kein Geld. Wieviel Geld eine Sache wert gewesen ist zeigt sich letztendlich erst nach dem erfolgten Verkauf der Sache. Im umgekehrten Falle zeigt ja auch erst der konkrete Kauf wie groß oder klein die Kaufkraft des eingesetzten Geldes war. Die gegenwärtige Finanzkrise ist somit primär als eine Phase der zeitlich konkretisierten Realitätsfindung zu verstehen. Eine Realitätsfindung welche vor allem Jene betrifft welche sich bei der Geldanlage auf Anlagen verlassen haben die keinen konkreten Wert besitzen – und Jene welche Dinge besitzen die sie noch nicht bezahlt haben. Die von mir genannten Betroffenen sind vor allem in den USA weit verbreitet, wobei sich bei vielen Haushalten die Problematik sogar exponenziert. Nicht wenige Amerikaner hielten bewußt vergleichsweise günstige Hypothekenkredite auf ihren Immobilien und investierten bzw. sparten zeitgleich aus ihrem Einkommen in gewinnversprechende Aktien oder Aktienfonds. Bisher ging diese Rechung meist doppelt auf. Mit Eintritt in den Ruhestand wurde das Haus verkauft wobei nach Bedienung der Schulden meist sogar noch ein satter Gewinn verblieb. Das angehäufte Aktienvermögen sicherte das Auskommen im Alter. Als einziges Risiko wurden bislang Schwankungen der Aktienmärkte wahrgenommen. Aber selbst stärkere Einbrüche der Aktienmärkte waren ja meist nicht von langer Dauer. Das aktuelle Problem liegt vor allem darin daß es von einer unerwarteten Seite her kam – den Immobilien. Einbrüche bei den Aktien hat fast jeder Anleger mehrfach erlebt ohne daß ein bleibender Verlust zu verzeichnen war. Niemand war schließlich gezwungen mögliche Verluste zu realisieren. Dieser Zwang stellt sich jedoch im Zuge der schwindenden Sicherheit bei den in Anspruch genommenen Krediten ein. Und damit ist ein Teufelskreis entfacht. Der Anleger bekommt seinen Immobilienkredit in bisheriger Höhe nicht weiter verlängert weil die Immobilie niedriger taxiert werden muß. Um die Bank zu befriedigen muß er andere Anlagen veräußern deren Preise nun ebenfalls einbrechen. Leute deren Anlagevermögen so weit abgeschmolzen ist daß sie die Bank nicht befriedigen können sind gezwungen ihr Haus zu verkaufen – was wiederum den Druck auf die Immobilienpreise weiter verstärkt. Im Falle der USA mit ihrer relativ geringen Sparquote kommt als Problem hinzu daß die Anzahl der Investoren gering ist welche in der Lage sind die günstige Gelegenheit vergleichsweise preiswerter Immobilien für einen Kauf zu nutzen. Ein weiteres Problem ist daß dieses Nachfragedefizit auch von ausländischen Investoren nicht kompensiert werden kann. Der Lösungsansatz zur Krisenbekämpfung bei den faul gewordenen Krediten anzusetzen ist sicherlich richtig. Falsch ist indes gewiß der Ansatz dies über Garantien für die Banken zu tun. Eine bessere Abhilfe wäre wohl in Gestalt von staatlichen Darlehen für Eigenheimbesitzer gegeben. Diese Darlehen müßten mit zeitlich progressiv steigenden Zinsen versehen sein, welche geeignet wären eine langfristige Verschuldung wenig attraktiv erscheinen zu lassen. |
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