Lindesnäs 127
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» Lindesnäs 9:10 - Infomationen als pdf

» 1. Kauf
» 2. Geschichte
» 3. Restaurierung innen
» 3.1 Elektroinstallationen
» 3.2 Fenster und Türe
» 4. Restaurierung außen
» 4.1 Schornstein
» 4.2 Vorbau
» 4.3 Fassade
» 5. Nebengebäude
» 5.1 Lekstuga
» 5.2 Schaftfabrik
» 5.3 Scheune und Stall
» 5.4 Erdkeller
» 6. Grundstück




1. Kauf » Thema Anfang

Einige Wochen vor unser Ankunft in Schweden im Jahr 2011 war bei der routinemäßigen Durchsicht der Immobilienangebote auf hemnet.se folgende Anzeige zu einem Haus im nächstgelegenen Ort aufgefallen:

Da der erste Besichtigungstermin vor unserer geplanten Anreise lag - und wir mit Blick auf den geringen Kaufpreis an eine veritable Ruine dachten - vereinbarten wir erst nach unserer Ankunft und einer kurzen aber durchaus Hoffnungen weckenden Inaugenscheinnahme von Haus und Grundstück einen Termin mit dem Makler.
Die Besichtigung trug Züge einer Zeitreise. Dieses Haus befand sich nicht nur in einem unerwartet guten Allgemeinzustand - hier hatte sich obendrein seit mehr als einem Menschenleben praktisch Nichts verändert. Der niedrige Kaufpreis rührte also lediglich vom Fehlen jener modernen Annehmlichkeiten her, auf die wir ohnedies keinen Wert legen.

Es war "Liebe auf den ersten Blick" und damit auch nicht ganz einfach während des folgenden Gebotsverfahren die Beherrschung zu wahren. Ob es das Gebot in Höhe des geforderten Kaufpreises seitens eines niederländischen Spekulanten tatsächlich gab - oder ob es sich nur um eine Finte des Maklers handelte - war wie immer in solchen Fällen nicht zu sagen.
Fest stand ledigich daß wir dem Anwesen wegen seiner Grunstrücksgröße und Lage einen deutlich höheren Wert beimaßen. Um mein Gebot in den Augen vielleicht vorhandener Mitinteressenten als eine möglichst unglaubwürdige Behauptung des Maklers erscheinen zu lassen entschieden wir uns das Ausgangsbebot untypisch deutlich zu erhöhen. Zu unserer eigenen Überraschung erhielten wir schon bei einem weiteren Besichtigungstermin den Zuschlag für den Kauf in die Hand versprochen. Wieder so ein Augenblick an dem es wirklich schwer war die Containance zu wahren.

Die vergleichsweise lange Zeit bis zur Vertragsunterzeichnung strapazierte die Nerven etwas. Versuchte der Makler vielleicht noch weitere Interessenten zu werben? Was wenn er Jemanden findet der das Anwesen in gleicher Weise wie wir wertzuschätzen weis? Am Tag der Vertragsunterzeichnung fiel mit Bezahlung des Kaufpreises eine große Last von uns ab. Schließlich war der Eintrag in das Grundbuch nun nur mehr eine reine Formalität.

Bei dem Vorbesitzer Bror Äng handelte es sich um ein "Original" aus Nås, der mir bereits vom Vorbeiradeln an der Fäbod und aus dem Ort bekannt war. Wann immer wir uns trafen wechselte ich ein paar Worte mit dem freundlichen, humorvollen und stets gutgelaunten Sonderling. Die Erinnerung an ihn ist ein weiterer Grund sich mit dem Kauf der Immobilie einfach gut zu fühlen.



Links: Haus mit Familie um 1890 - Rechts: Haus mit Familie 2011



2. Geschichte » Thema Anfang

Bror Äng (1933 - 2011) selbst hat in Lindesnäs 127 nie "richtig" gewohnt. Angeblich hatte er es erworben weil das Haus einer von ihm angebeteten Frau gut gefallen hatte.
Die letzten Bewohner waren Beda Larsson (1889-1982) und ihr Bruder Georg Larsson (1892-1950),der in Nachvolge seines Vaters in der verfallenen (und inzwischen von uns abgerissenen) Werkstatt eine Manufaktur für Axtstiele betrieben hatte.
» Schaftfabrik

Errichtet wurde das Haus im Jahre 1886 von deren Eltern Jon-Erik Larsson (1851-1937) und dessen Frau Maria Sofia Zetterqvist (1849-1941). Im Haus hatten ferner die weiteren Geschwister Wilhelmina (1878-1975), Albertina (1880-1952), Hilda (1884-1976) sowie Augusta (1887-1892) gelebt.

Wie aus den Abbildungen ersichtlich war das Haus zunächst ohne den dritten Giebel errichtet. Allerdings läßt die Verwendung vorkopfloser Eckverbindungen sowie Lage der Fundamentsteine darauf schließen daß das spätere Verputzen bereits zum Zeitpunkt der Planung vorgesehen war. Offensichtlich ließ man das Blockhaus zunächst unverputzt um den Balken Gelegenheit zum Setzen zu geben.
» Erwähnung bei K-E. Forsslund


3. Reataurierung innen » Thema Anfang

Schon auf den ersten Blick beeindruckt der bewahrte ursprüngliche Charakter des Hauses. Ein seltener Glückfall daß vor allem die Zeit "moderner", "pflegeleichter" und "haltbarer" Verbundstoffe und Oberflächenbehandlungen nicht ihre weiterfressenden zersetzenden Spuren hinterlassen hat. Die letzte bauliche Veränderung - der dritte Giebel, der Balkon über dem Eingang - dürfte in das erste oder zweite Jahrzehnt des 20.Jhd. fallen.

Ein authentisch erhaltenes klassisches schwedisches Kreuzhaus mit seinem zentral gelegenen Schornstein. Wer das Haus von Süden betritt findet angrenzend an den kleinen Flur zur linken Hand die geräumige Küche. An diese schließt gen Nordwesten die sogenannte Küchenkammer an. Über die Küchenkammer oder auch direkt vom Flur gelangt man in den Saal - der "guten Stube" des Hauses. Vom Flur aus führt die handgezimmerte Treppe, unter der eine kleine Vorratskammer Platz gefunden hat, hinauf in das Dachgeschoß, wo zwei weitere Kammern eingerichtet sind.


Flur

(Linke Abb.) Selten gewordenes Detail:
Die tapezierte Türe vor der Treppe zum Dachgeschoß ist zumeist der unsäglichen Mode "offener Planlösungen" zum Opfer gefallen. Dabei kann diese Türe in der kalten Jahreszeit einen nicht zu Unterschätzenden Beitrag zum Energiesparen leisten.

Ein Glücksfall der hier noch zu sehende Kork-Lenoleum-Fußboden. Das diffusionsoffene Material konnte im Gegensatz zu späteren Kunststoffbelägen den darunterliegenden Bodendielen nicht schaden.


(Rechte Abb.) Beachtenswert auch die Tapeten aus der Zeit um 1910.


Küche

Die relativ große Küche wird von der Herdstelle mit Backofen dominiert. Auch in diesem Raum fallen die zeittypisch minimalistischen Elektroinstallationen angenehm nicht ins Auge. Lediglich an der Decke war es einer Neonleuchte gelungen ihren Vorgänger mit ihrem bläulichen Licht zu verdrängen. Die historischen Elektroinstallationen möchten wir jedoch bewahren, was auch durchaus im Einklang mit den Bauvorschriften möglich ist. Wir werden lediglich die Wandkontakte gegen moderne Nachbauten mit Kindersicherung austauschen (erhältlich in Deutschland über Manufactum oder in Schweden über "Byggnadsvårdsbutiker").

In 2011 hatten wir lediglich von einem Elektroinstallateur einen modernen abgesicherten Bauverteiler zwischen die Hauptsicherung und die hausseitigen Installationen setzen lassen. Dieser erlaubt es uns beim Anschluß modernerer und stäkerer Geräte (insbes. mit Blick auf die Restaurierungsarbeiten) das dafür nicht ausgelegte historische Hausnetz zu umgehen.


Salon



Dachkammern

Die beiden Dachkammern wurden (den nicht eingestzten Winterfenstern nach zu urteilen) wohl zuletzt nicht oder lediglich im Sommer genutzt. Sie befinden sich im vergleichsweise besten historischen Originalzustand. Hier fehlen eigentlich nur die Möbel.
Die Beschaffung von historisch passenden Möbeln ist in Schweden sogar preiswerter als der Kauf bei IKEA. Insbesondere auf Hofauktionen (Gårdsauktioner) findet sich meist ein sehr umfangreiches Angebot.


Fassade

Gleichwohl das Haus auf einer frühen historischen Aufnahme als rot gefärbter Blockbau erscheint spricht viel für die Annahme daß von Anfang an vorgesehen war das Haus mit Kalkputz zu verputzen. Die hierfür sprechenden Indizien ist neben der Schwalbenschwanzverzahnung der Eckverbindungen vor allem der Umstand daß die steine des Fundaments bündig mit der Putzschicht abschließen.
Bei dem Erscheinungsbild "Faluröd" handelte es sich somit aller Wahrscheinlichkeit nach um die Überbrückung des Zeitraums welcher der Blockbau zu seiner Setzung benötigte.

Unklarer ist indes die Frage wie bzw. warum das Haus zu seinem dritten Giebel und dem Balkon kam. Hier steht zu vermuten daß das primäre Ziel dieser Maßnahme der Gewinn von zusätzlichem Wirtschaftsraum und Licht gewesen sein mag. Der Balkon dürfte dem Geltungsbewußtsein geschuldet gewesen sein.



3.1 Elektroinstallationen » Thema Anfang

Lindesnäs 127 wurde wahrscheinlich im Jahre 1918 an die Stromversorgung angeschlossen. Diese Vermutung deckt sich mit den ältesten der vorhandenen Installationen im Salon. Stellenweise sind die ursprünglichen "gedrehten Kabel" durch in Metallummantelung verlegte Leitungen ersetzt worden.


Unser Ziel ist der Erhalt und die Rekonstruktion der ursprünglichen Elektroinstallationen, wobei das Augenmerk natürlich auch der Frage der Sicherheit liegt. Lediglich die Küche soll für den Kühlschrank eine verborgene belastbare Steckdose erhalten.
Darum erscheint es naheliegend die ursprünglichen Installationen im Wesentlichen auf den niederamperigen Lichtstrom beschränkt zu halten und mit Blick auf die gewünschte Verwendbarkeit leistungsfähigerer Elektrogeräte "zweigleisig" zu fahren.

Der erste Schritt zu dieser "Zweigleisigkeit" war eine Umgestaltung des Hauptanschlusses. Nach positiver Abklärung der Frage ob in unserem Haus grundsätzlich eine dreiphasige Versorgung möglich ist erhielten der örtliche Elektriker sowie der Netzbetreiber Fortum den Auftrag einen Dreiphasenanschluß zu installieren. Da sich letzteres rein organisatorisch als sehr zeitaufwendig erwies (Auftrag wurde vor Ostern erteilt - und mit viel Nachdruck bekamen wir den Anschluss gerade noch so vor Midsommar) habe ich mich spontan gleich für eine 20A-Absicherung entschieden um nicht in die Verlegenheit zu kommen etwas an dieser Stelle ändern zu müssen. (Bild links: Neuer Hauptanschluß)
Der Ausgang des Hauptansachlusses besteht aus einer einfachen Drehstromsteckdose an welche wir einen Baustromverteiler angeschlossen haben. Der Lichtstromkreis des Hauses ist diesem verpolungssicher nachgeschaltet. Für stärkere Verbraucher stehen mit 16A abgesicherte Steckdosen sowie Drehstromsteckdosen zur Verfügung. Bei Abewesenheit kann die gesamte Elektrik durch einfachs Herausziehen des Hauptsteckers vom Netz getrennt werden.
Die weitere Rekonstruktion der ursprünglichen Elektroinstallationen begann mit dem provisorischen Anschrauben im Byggnadsvård-Handel erhältlichen Porzellan-Isolatoren an den in unserem Fall sich noch deutlich an den ursprünglichen Stellen auf Tapeten und Leisten abzeichnenden Stellen. Auf diese Weise wurde sichergestellt dass diese Befestigungspunkte nicht im Zuge von vielleicht parallel erfolgenden Arbeiten durch überstreichen oder übertapezieren "verloren" gehen. In diesem Zusammenhang überraschte mich dass die ursprüngliche "verschaltung" des Hauses an vielen Stellen von der Späteren abweicht - wobei mir die ursprünglichen Lösungen in den gedanklich bereits rekonsruierten Fällen sogar meist praktischer erscheinen.

Der eigentliche Rückbau scheitert zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch an der Beschaffung geeigneten Leitungsmaterials. Das im Fachhandel erhältliche zweiadrig-gedrehte Textilkabel erfüllt mit seinem Leiterquerschnitt von nur 0,75 mm nicht unsere Erwartungen. Wir hätten gerne einen Leiterquerschnitt von 1,5 mm.



3.2 Fenster und Türe » Thema Anfang

Ein besonderer Glücksfall bei unserem Haus ist das vollständige Vorhandensein von Außen- und Innenfenstern. Trotz anfänglicher Befürchtungen erwies sich der Zustand der Fenster als befriedigend - Kein einziges Fenster wies im Rahmen oder den Flügeln ernstzunehmende Schäden am Holz auf.

Nach dem Ausglasen der Scheiben werden die Flügel von Schmutz und losen Farbresten gereinigt und satt mit Leinöl eingelassen. Nach dem Trocknen der Grundierung wird die von der Kittseite wegzeigende Seite mit Leinölfarbe gestrichen. Nach dem Abtrocknen des Anstrichs wer den die erhaltenen Scheiben gereinigt und neu eingekittet. Schadhafte Scheiben wurden durch mundgeblasenes neues Fensterglas ersetzt. Nach diesem Arbeitsgang wurden zuvor entfernte lockere Beschläge wieder angebracht und lockere/fehlende Nägelchen ersetzt. Nach dem Abbinden des Fensterkitts erfolgt der Anstrich auf der "Kittseite".
Während dieser Arbeiten wird auch der Fensterrahmen gereinigt, mit Leinöl eingelassen und gestrichen.

Das Ergebnis der Arbeiten rechtfertigt und belohnt den doch recht erheblichen Zeitaufwand. Die Materialkosten blieben trotz der Verwendung mundgeblasenen Neuglases (Quadratmeterpreis ca. 250 Euro) vergleichsweise gering. Insgesamt werden wir für das ganze Haus bis Fertigstellung keine 500 Euro für Glasscheiben ausgeben haben. Die Kosten für Farbe (und Pinsel!), Kitt und handgeschmiedete Nägelchen dürften insgesamt die Größendordnung von 250 Euro nicht erreichen.

Besonders hervorzuheben ist daß wir uns bei der Wahl des "weissen" Farbtons an das historische Orginal gehalten haben, bei dem Weiss mit 15% grünem Umbra abgetönt ist. Bei der Wahl der Kontrastfarbe griffen wir auf "Englisch Rot" zurück gleichwohl ich den Eindruck hatte daß ursprünglich ein etwas bauneres Rot-Braun Verwendung gefunden hatte.

Vor praktisch unlösbare Probleme stellte die Haustüre. Bei dem erhaltenen vermeintlich ockergelben Anstrichs handelt es sich lediglich um die Grundierung einer Mahagoni immitierenden Lasurarbeit. Deren Aussehen ließ sich anhand der noch gut erhaltenen Reste im Falz der Türe erkennen. Die Tür war also ursprünglich dunkelbraun und nicht ockergelb.
Nicht zuletzt weil wir uns bereits sehr gut mit dem "vermeintlichen Ockergelb" der Türe angefreundet hatten und wir noch keine Erfahrungen mit Lasurfarben sammeln konnten - werden wir wohl an dieser Stelle vom historischen Original abweichen. Eine schöne ockerfarbene Türe ist gewiss schöner als eine vielleicht verunglückte Tür welche den Originalzustand gleichfalls nicht erreicht.



4 Restaurierung außen

4.1 Schornstein » Thema Anfang







2013

2012
» Mädchen-Schreibtisch (27:e Juni 2012)