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Lejonbruden eller Lejontämjarens dotter / Die Löwenbraut

Adelbert von Chamisso (1781-1838) sv text: Wilhelmina Stålberg (1803-1872)
Musik von Robert Alexander Schumann (1810-1856)

Ein wunderbares, auf einer wahren Begebenheit beruhendes Gedicht das in Deutschland vergessen scheint und heute fast nur mehr in seiner Liedform und in Schweden in der überhaus gelungenen Übersetzung mit einem doch nicht unerheblichen Grad an Bekanntheit weiterlebt.
Vielleicht erinnert sich auch Jemand noch dunkel daran daß zumindest in der schwedischen Originalfassung Knecht Alfred in Michel (Emil) aus Lönneberga dieses Lied kurz anstimmt.
Wer etwas googlet findet auch die französische Textversion. Ein schönes Beispiel europäischer Kultur lang vor gemeinsamer Währung und gemeinsamen Institutionen.




Lejonbruden

I skimrande bruddräkt så vit som en snö
står djurtämjarns dotter, en blomstrande mö.
Hon tvingats att giva en främling sin hand.
I morgon går färden till främmande land.

Ren gästerna samlas, men tid är det än
för Selma, att träffa sin trofasta vän.
Och sorgsen hon går till lejonets bur
att taga farväl av sitt älskade djur.

Hon lägger sig ner där hon förr varit van,
och lindar sin arm kring den böljande man.
Och skogarnas konung sin vildhet har glömt,
när Selma hon smeker och viskar så ömt.

"Vi måste nu skiljas, min bruddräkt du ser.
Hav tack, kära vän, nu vi råkas ej mer.
Jag tvingats att giva en främling min hand.
I morgon går färden till främmande land.

Du blickar så ömt. Du mig säkert förstår.
Förlåt kära vän, men jag torkar en tår.
Men hör hur min brudgum han ropar igen.
Farväl nu för alltid min älskade vän."

En kyss nu till avsked hon lejonet ger,
men mannen vid gallret nu lejonet ser.
Med ens är dess saktmod och vildhet förbi.
Det reser sig häftigt i fullt raseri.

Den väldiga svansen nu svängningen tar,
och Selma står dödsblek, men fattning hon har.
Att bedja och hota är fåfängt beslut,
för dörren står djuret. Hon slipper ej ut.

"Kom hit med en bössa," nu främlingen skrek.
"Ett skott skall väl ända den blodiga lek."
Och dödstystnad härskar, geväret han får.
Han laddar, nu djuret hans mening förstår.

Och lejonet rasar i fängslande bur,
vill Selma försvara men vet icke hur.
Ett rytande skallar. Barmhärtiga Gud.
I stycken slet lejonet främlingens brud.

Och sedan det druckit den älskades blod,
det lägger sig stilla med nedslaget mod.
Vid bleknande liket det väntar få tröst,
en kula, som mördande sårar dess bröst.
Die Löwenbraut

Mit der Myrte geschmückt und dem Brautgeschmeid,
Des Wärters Tochter, die rosige Maid,
Tritt ein in den Zwinger des Löwen;
Er liegt der Herrin zu Füßen, vor der er sich schmiegt.

Der Gewaltige, wild und unbändig zuvor,
Schaut fromm und verständig zur Herrin empor;
Die Jungfrau, zart und wonnereich,
Liebestreichelt ihn sanft und weinet zugleich:

"Wir waren in Tagen, die nicht mehr sind,
Gar treue Gespielen wie Kind und Kind,
Und hatten uns lieb und hatten uns gern;
Die Tage der Kindheit, sie liegen uns fern.

Du schütest machtvoll, eh wir's geglaubt,
Dein mähnenumwogtes königlich Haupt;
Ich wuchs heran, du siehst es: ich bin, -
Ich bin das Kind nicht mehr mit kindischem Sinn.

O wär ich das Kind noch und bliebe bei dir,
Mein starkes getreues, mein redliches Tier!
Ich aber muß folgen, sie taten mir's an,
Hinaus in die Fremde dem fremden Mann.

Es fiel ihm ein, daß schön ich sei,
Ich wurde gefreit, es ist nun vorbei:
Der Kranz im Haar, mein guter Gesell,
Und vor Tränen nicht die Blicke mehr hell.

Verstehst du mich ganz? Schaust grimmig dazu,
Ich bin ja gefaßt, sei ruhig auch du;
Dort seh ich ihn kommen, dem folgen ich muß,
So geb ich denn, Freund, dir den letzten Kuß!"

Und wie ihn die Lippe des Mädchens berührt,
Da hat man den Zwinger erzittern gespürt,
Und wie er am Zwinger den Jüngling erschaut,
Erfaßt Entsetzen die bagenden Braut.

Er stellt an die Tür sich des Zwingers zur Wacht,
Er schwinget den Schweif, er brüllet mit Macht,
Sie flehend, gebietend und drohend begehrt
Hinaus; er im Zorn den Ausgang wehrt.

Und draußen erhebt sich verworren Geschrei.
Der Jüngling ruft: bring Waffen herbei,
Ich schieß ihn nieder, ich treff ihn gut.
Aufbrüllt der Gereizte schäumend vor Wut.

Die Unselige wagt's sich der Türe zu nahn,
Da fällt er verwandelt die Herrin an:
Die schöne Gestalt, ein gräßlicher Raub,
Liegt blutig zerrissen entstellt in dem Staub.

Und wie er vergossen das teure Blut,
Er legt sich zur Leiche mit finsterem Mut,
Er liegt so versunken in Trauer und Schmerz,
Bis tödlich die Kugel ihn trifft in das Herz.


      Dazu eine Sage aus Wien: (26.04.2008)
      Die Löwenbraut

      Im sogenannten Neugebäude, einem Lust- und Jagdschloß, dessen Bau von Maximilian II. begonnen und von Rudolf II. im Jahre 1587 vollendet wurde, wurde eine Menagerie von wilden Tieren unterhalten, deren Prachtstück ein Löwe war.

      Einst feierte die kaiserliche Familie hier ein schönes Fest, und des Tierwächters vierjähriges Töchterlein Berta trat, als Schutzgeist Österreichs gekleidet, vor die kleine Prinzessin, deren Geburtstag der Anlaß der Festlichkeit war, und brachte ihr im Namen aller Anwesenden einen herzlichen Glückwunsch dar. Da donnerten die Kanonen, schmetterten die Trompeten und jubelten die Gäste. Plötzlich trat, zum sprachlosen Schreck aller, der Löwe majestätischen Schrittes in den Saal. Durch das Getöse wild gemacht, war er aus seinem Käfig ausgebrochen, hatte sich in den Garten gestürzt und war endlich zum Lustschloß gekommen, in das er eindrang. Er war geblendet von all dem, was er hier sah, und starrte verdutzt die Versammlung an. Schon waren die Wachen herbeigeeilt, um den so unwillkommenen Störenfried niederzuschießen; da warf sich die kleine Berta an den Hals des Löwen und bat flehentlich, ihm nichts zu tun; sie werde ihn schon in seinen Käfig führen. Und merkwürdig! Zum größten Staunen aller ließ sich der Löwe von seiner kleinen Führerin aus dem Saale seinem Käfige zuführen und ging freiwillig in denselben hinein. Der Kaiser selbst sah dem sonderbaren Schauspiele zu und befahl, von nun an die kleine Berta nie anders als Löwenbraut zu nennen, der Löwe bleibe aber von nun an ihr Eigentum.

      Jahre waren seitdem verflossen, und aus der kleinen, lieblichen Berta war eine schöne Jungfrau, die Freude ihrer Eltern, geworden. Immer noch besuchte sie den Löwen, und so traurig dieser war, wenn sie auch nur einen Tag nicht zu ihm gekommen war, so lustig und voll Freude war er, wenn sie wieder kam.

      Da hatte ein gar braver junger Mann um die Löwenbraut geworben, sie sollte seine Frau werden. Die Eltern waren es zufrieden, das Mädchen auch, der Tag der Hochzeit wurde festgesetzt, und nun gab es eine Menge zu schaffen, so daß Bertas Besuche bei dem Löwen immer seltener wurden, was diesen unendlich traurig zu machen schien. Endlich kam der Hochzeitstag. Die junge schöne Braut sollte nun reizend geschmückt zur Kirche gehen, um ihrem Bräutigam angetraut zu werden. Doch wollte sie sich noch einmal von ihrem Löwen verabschieden, den sie nun nimmer pflegen sollte.

      So trat sie in den Käfig desselben und liebkoste ihn wie sonst. Doch er blieb traurig, als hätte er es geahnt, daß dies ihr letzter Besuch sein sollte. Da bemerkte er ihren Bräutigam vor dem Käfig; seine Wut erwachte, ein furchtbares Brüllen entrang sich ihm und schreckensbleich suchte die geängstigte Braut aus dem Käfig zu kommen. Doch der Löwe stellte sich vor dessen Tür und peitschte den Boden mit dem mächtigen Schweife. Da stürzte sich der Bräutigam in den Käfig. Doch schon hatte der Löwe die Braut mit einem schweren Tatzenschlage tot zu Boden gestreckt und fast willenlos ließ er sich von dem entsetzten Manne niederschießen.


      Peter: (28.04.2008)
      Eine kleine Reise durch den zum allgemeinen Kulturschatz jeden Schweden zählenden Lieder macht bei genauerem Hinsehen schnell deutlich, daß ein Großteil dieser Lieder urpsrünglich eigentlich aus dem deutschen Sprachraum stammt. Interessant daß nicht nur die selben Lieder kein Kind oder Jugendlicher in Deutschland kennt - sondern daß deutsche Kinder und Jugendliche praktisch über gar keinen Kulturschatz jenseits der aktuellen Hitparade oder vereinzelter Weihnachtslieder zu verfügen scheinen.
      Der Vergleich zwischen Rußland und Deutschland fiel in dieser Frage genauso peinlich für Deutschland aus: Jedes russische Kind ist in der Lage etliche klassische Ferse russischer Dichtkunst zu rezitieren - im angeblichen Land der Dichter und Denker auch in dieser Frage ebenfalls Fehlanzeige. PISA läßt grüßen.


      Noch ein Nachtrag:  (20.05.2008)
      Die Löwenbraut bietet gamz nebenbei noch einen erstaunlich tifen Einblick in die Geisteswelt der Freimaurer. Es sollte mich nicht wundern wenn Camisso selbst Freimaurer gewesen sein sollte.
      Auch die ebenfalls in schwedisch erschienene "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" (Peter Schlemihls sällsamma historia) weist sehr deutlich in diese Richtung.
      Weitere Gedichte aus der Feder von Camisso konnte ich indes aus dem Schwedischen nicht wieder erkennen. Es sieht ganz so aus als hätte sich Schweden an das Motto "best of" gehalten. Im Falle von "Lejonbruden" mag aber auch die Geschichte als Solche für den Erfolg ausschlaggebend gewesen sein. Die Löwenbraut hat schließlich alles: Ein Schuß Erotik, Liebe, Eifersucht, Dramatik, Blut...